Am Ende zählt, wer noch da ist

Neunzehn Jahre, ein Verein, kein einziger Wechsel. Ein Gespräch mit einem Kapitän, der im Sommer aufhört, über Knie, Kabinen und Angebote, die er nie ernst genommen hat.
Wir treffen uns an einem Dienstagabend in der Kabine, weil er darauf bestanden hat. Draußen wäre es wärmer gewesen. Er sagt, er habe hier zu viele Jahre verbracht, um das Gespräch woanders zu führen.
Neunzehn Jahre, ein Verein. Haben Sie nie überlegt zu gehen?
Doch, dreimal. Einmal mit zweiundzwanzig, da wäre es sportlich sinnvoll gewesen. Einmal mit sechsundzwanzig, da ging es um Geld. Und einmal vor vier Jahren, aus Trotz, nach einer Saison, die schlecht gelaufen ist. Geblieben bin ich jedes Mal aus einem anderen Grund.
Welcher war der beste?
Der letzte. Mit zweiundzwanzig bleibt man aus Bequemlichkeit und redet sich Treue ein. Mit vierunddreißig weiß man, was man aufgeben würde, und bleibt trotzdem. Das ist etwas anderes.
„Ich habe nie für die Tabelle gespielt. Ich habe für die zwanzig Leute gespielt, die dienstags um halb sieben auf dem Platz stehen, auch wenn es regnet.“
Der Kapitän
Das Knie ist der Grund für das Aufhören?
Das Knie ist der Anlass. Der Grund ist, dass ich seit zwei Jahren nach jedem Spiel zwei Tage brauche und mir dabei zusehe, wie ich langsamer werde. Es gibt einen Moment, in dem man aufhören sollte, und der liegt immer ein bisschen vor dem, in dem man aufhören will.
Was fehlt Ihnen am meisten?
Nicht die Spiele. Die Fahrten. Zwei Stunden im Bus zu einem Auswärtsspiel, das man verlieren wird, und alle wissen es. Da wird geredet wie sonst nie. Das kriegt man später nirgends wieder.
Am Ende der Saison wird er noch einmal auflaufen, wenn das Knie mitmacht. Verabschiedet werden möchte er nicht. Er sagt, das habe er bei anderen gesehen, und es sei jedes Mal für alle unangenehm gewesen.
