Zweiundzwanzig Uhr, Flutlicht aus

Wenn die letzte Mannschaft in der Kabine verschwindet, fängt für einen die Arbeit erst an. Ein Abend beim Platzwart eines Vereins, den außerhalb des Stadtteils niemand kennt.
Um kurz nach zehn geht das Flutlicht aus, und für einen Moment ist der Platz so dunkel, dass man die eigenen Hände nicht sieht. Dann schaltet sich die kleine Lampe über der Gerätehütte ein, und in ihrem Licht steht ein Mann mit einer Schubkarre und wartet, bis die Augen sich gewöhnt haben.
Er macht das seit einundzwanzig Jahren. Erst neben der Arbeit, seit vier Jahren als Rentner, und in beiden Fällen für ein Geld, über das er nicht sprechen möchte, weil es, wie er sagt, ohnehin nicht der Grund ist.
Was am Ende eines Tages liegen bleibt
Die Ausbeute eines gewöhnlichen Mittwochs: zwei Trinkflaschen, ein Schienbeinschoner, drei leere Tapeboxen, ein Handtuch, das niemand vermissen wird, und siebzehn Hütchen, die eigentlich in der Hütte stehen müssten. Er sammelt das ein, ohne sich zu ärgern. Ärgern, sagt er, habe er sich in den ersten drei Jahren.
„Der Platz ist am Freitag genauso wichtig wie die Aufstellung. Nur merkt das keiner, solange er in Ordnung ist.“
Der Platzwart
Die eigentliche Arbeit beginnt danach. Er läuft den Rasen ab, in Bahnen, wie man ein Feld mäht, und tritt die Löcher zu, die zwölf Paar Stollen in zwei Stunden hinterlassen haben. Bei feuchtem Boden dauert das zwanzig Minuten, bei trockenem länger, weil die Erde dann nicht mehr zurückwill.
Die Ecke, die niemand sieht
Hinter dem Tor auf der Ostseite ist eine Stelle, an der der Rasen seit dem Frühjahr nicht mehr richtig anwächst. Zu viel Schatten, zu wenig Wind, und im Winter steht dort das Wasser. Er hat sie zweimal neu angesät und wird es ein drittes Mal tun.
Um Viertel vor elf schließt er die Hütte ab. Am Freitag ist Spiel, Anstoß um neunzehn Uhr dreißig, und bis dahin muss der Platz aussehen, als wäre unter der Woche niemand darauf gewesen. Genau das ist die Arbeit: dafür zu sorgen, dass man sie nicht sieht.
